Großenzenried

Das Dorf liegt in einer sanften Mulde des Bernbachtales. Von den ca. 90 Einwohnern sind einige noch in der Land- und Forstwirtschaft tätig. Die ehemaligen Hofstellen sind intakt, die Hofräume gut durchgrünt. Das Dorf besitzt eine intakte Dorfgemeinschaft und ein Dorfwirtshaus. Die Freiwillige Feuerwehr prägt das gesellschaftliche Leben in Großenzenried, Höhepunkt war das 100-jähriges Gründungsjubiläum im Jahr 2002.
Der kleine Ort hat durch die Neugestaltung der Ortsmitte ungemein gewonnen. Die Dorfkapelle wurde renoviert und erhielt einen großzügigen grünen Umgriff. Der weitläufige Anger überzeugt als räumlicher Mittelpunkt des Dorflebens. In diesem neu belebten Dorfanger wurde ein vorbildliches Kriegerdenkmal erstellt. Liebevoll angelegte Privatgärten mit ländlichem Charakter prägen das Dorf. Der Erhalt alter Bäume zeigt den hohen Stellenwert der Natur in Großenzenried.




Großenzenried gewinnt Silber


Sechs mal Gold, zehn mal Silber und sechs mal Bronze überreichte Staatsminister Josef Miller am 13. November 2004, bei der Siegerehrung des 21. Landeswettbewerbes „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft” im mittelfränkischen Schwanstetten.

Großenzenried als einziger Vertreter des Landkreises Cham, erhielt aus den Händen des Ministers die Silbermedaille überreicht – zur großen Freude der mitgereisten Delegation.

Die Begründung der Jury für die Zuerkennung der Silbermedaille für Großenzenried lautete wie folgt:

Großenzenried liegt im Naturpark Vorderer Oberpfälzer Wald in einer sanften Mulde des Bernbachtales, umgeben von Hügeln mit bewaldeten Bergrücken. Die Bauleitplanung des Marktes Stamsried wird der Entwicklung des ländlich geprägten Ortsteiles Großenzenried voll gerecht. Im Flächennutzungsplan von Stamsried ist die Ortschaft als Dorfgebiet dargestellt. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist rückläufig. An die in früheren Zeiten vorhandenen Handwerksbetriebe erinnert noch die liebevoll restaurierte Schmiede eines privaten Besitzers sowie ein Wagner, der das Handwerk in seiner Freizeit betreibt.

Weder Wachstum noch Wandel sondern Wahrung der einfachen und bescheidenen Gegebenheiten sind die Ziele des Dorfes. Mit Abschluss der Dorferneuerung hat Großenzenried eine neues Gesicht erhalten, und die Dorfgemeinschaft ist durch das Engagement bei der Umsetzung von Maßnahmen zusammengewachsen. Der Dorfanger mit der Straßenführung im Ortskern erfuhr eine neue Gestaltung, wodurch die Ortsmitte optisch und funktional stark aufgewertet wurde.

Die lebendige Dorfgemeinschaft trifft sich regelmäßig im Wirtshaus zu Dorfversammlungen, aber auch zum sonntäglichen Stammtisch. Vielerlei Aktionen werden durchgeführt: von der Pflege und Gestaltung des öffentlichen Raumes mit Maibaumaufstellen und Errichten des Dorfbrunnens über Pflege der freien Flächen, bis zu Fahrdiensten für die Kinder. Seit 2003 wird außerdem regelmäßig Brot gebacken. Die Freiwillige Feuerwehr als einziger Verein im Ort engagiert sich sehr für die Jugendarbeit. Junge Familien leben gerne in diesem kleinen Oberpfälzer Dorf, wie es das Verhältnis von Kindern zur Einwohnerzahl belegt.

Die hübsche Kapelle in der Mitte des Dorfes ist kultureller und geistlicher Mittelpunkt. Hier finden verschiedene kirchliche Feiern im Jahreslauf statt, an der die Dorfgemeinschaft mit Jung und Alt teilnimmt.
Das bauliche Erbe wird in Großenzenried bewahrt und liebevoll gepflegt. Davon zeugen die vielen grauen regionaltypischen Holzschuppen, der Eiskeller, die Backöfen, sowie einige sehr schön sanierte Wohnhäuser und Hofstellen.
Das Dorf will klein bleiben, hat aber für die Zukunft ein mäßiges Wachstum in den vorhandenen Baulücken geplant. Dafür und für andere Verbesserungen, z. B. für Fassaden, wurden Vorschläge erarbeitet, die auch durch das Engagement der Bewohner für eine einheitliche und zurückhaltende Gestaltung sorgen.

Mit der vorbildlich sanierten Kapelle wurde ein attraktiver Mittelpunkt des überwiegend grünen öffentlichen Raums geschaffen.
Großenzenried bettet sich harmonisch in die umgebende Landschaft ein, die sich mit dem dörflichen Grün zu einer Einheit verbindet. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die sorgfältige und standortgerechte Artenauswahl bei den umfangreichen Gehölzneupflanzungen und die Einbindung des alten Baumbestandes. Hervorzuheben ist die ausgeprägte Obstkultur, die sich in umfangreichen Pflanzungen dokumentiert und den vorhandenen Altbestand sinnvoll ergänzt. Prägenden Charakter besitzen die blühenden und fruchtenden bäuerlichen Hausgärten, in denen auch Kleinstrukturen gut herausgearbeitet wurden.

Die offene Bauweise der meist gut gestalteten Zäune unterstützt die Wirkung der Gärten, die bis in den Straßenraum hineinreicht. Ökologisch bedeutsame Lebensbereiche für Tiere und Pflanzen, die sich fördernd auf die Artenvielfalt auswirken, wurden vor allem durch das Belassen von Feuchtbereichen, Totholz und Lesesteinhaufen geschaffen. Durch den Rückbau der Straße im Bereich des Angers mit seiner Kapelle ist es gelungen, einen würdigen Mittelpunkt für das dörfliche Leben zu schaffen, der in seiner harmonischen Gestaltung wesentlich das Erscheinungsbild des Dorfes prägt. Die überwiegend naturbelassenen oder entsiegelten Hofflächen und die markanten Hausbäume werten diese wohnungsnahen Bereiche wesentlich auf. Auch die Gebäudekanten der Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind überwiegend geöffnet und deren Wandflächen mit Kletterpflanzen begrünt.

Der Ort gliedert sich mit seinem Ortsrandgrün, mit Obstwiesen, Hecken und Gehölzen gut in die Landschaft ein. Nur im Norden des Ortes, sowie am östlichen Teil des Todhofs könnte die Eingrünung verstärkt werden. Landwirtschaft und Naturschutz gehen hier Hand in Hand. Eine Renaturierung des Bernbaches wäre gut für den Wasserrückhalt sowie für die angrenzenden Nasswiesen. Zur Sichtbarmachung des Baches wurde eine punktuelle Bepflanzung durchgeführt. Die anliegenden Wiesen werden fast alle extensiv bewirtschaftet. Trotz einer früheren Flurbereinigung wurden 18 wertvolle Biotope erhalten. Eine gute Vernetzung bilden die breiten Wegränder, an denen natürlicher Aufwuchs aufkommen kann. Auch zahlreiche Pflanzmaßnahmen wurden durchgeführt, z.B. an den Wegen aus dem Ort, an dem keine Grünbestände in die Flur führen, wurden Obstbäume gepflanzt und Streuobstwiesen in der Flur und an Einödhöfen angelegt. Zur Pflege der Obstbäume werden Schnittkurse angeboten. Eine größere Anzahl von Marterln steht in der Flur, die von den Besitzern oder von der Dorfgemeinschaft gut gepflegt werden, an einigen wurden Bäume gepflanzt.

Erinnerungsstein

Aus Anlass der Erfolge im Dorfwettbewerb wurde ein Erinnerungsstein erstellt, der als Nachbildung die Goldmedaillen auf Kreis- und Bezirksebene sowie die Silbermedaille auf Landesebene trägt.